Rückbesinnung: Inwiefern verändern soziale Technologien unser Verhalten?

In meinem letzten Beitrag hatte ich gesagt, dass ich das Strategie-Modell vorstellen will. Während meiner Recherche bin ich plötzlich noch auf weitere Theorien gestoßen, wie auf die POST-Methode, welche dem Strategie-Modell vom Ansatz sehr nahe ist und auf den Groundswell-Ansatz zurückgeht. Aus vorgenannten Gründen werde ich meine Erläuterungen zum Strategie-Modell erst noch aufschieben und eine Zwischenbilanz ziehen, um meine Gedanken zu sortieren. Rückblickend ist mir aufgefallen, dass ich mich zwar auf die Begrifflichkeiten bezogen habe, aber dennoch nicht darauf eingegangen bin, warum es für Unternehmen unerlässlich ist, Social Media zu nutzen und diese Kommunikation über eine Kampagne zu steuern. Deshalb will ich den folgenden Beitrag dieser Thematik widmen.

Meine vorgenannte Recherche hat mich unter anderem zur Groundswell-Theorie gebracht, die als Ursache gesehen werden kann, warum eine Social-Media-Kampagne vonnöten ist. Li und Bernoff beschreiben die technologische Entwicklung der letzten Jahre als „sozialer Trend, bei dem die Leute Technologien benutzen, um das, was sie brauchen, voneinander zu bekommen statt von traditionellen Institutionen wie Unternehmen“ (2008, S. 16). Obwohl die Forscher den Groundswell als Trend definieren, haben sie in ihrem Buch klar herausgestellt, dass sie dies nicht als Trend sehen, der wieder vergehen wird, sondern vielmehr irreversibel ist. Shirky hat diese Sichtweise mit seinem Buch „Here Comes Everybody“, welches Michelis gut zusammengefasst hat, bestätigt. Nach Michelis ist die Hauptaussage von Shirkys Buch folgende: „Soziale Technologien verändern die Art und Weise, wie Gruppen zusammenfinden und wie deren Mitglieder gemeinsam aktiv werden.“ (2012, S. 119)

Wenn ich diesen Satz lese, wird für mich deutlich, dass das durch die neuen Technologien veränderte Nutzungsverhalten wichtig ist, um wirklich zu verstehen, warum eine Social-Media-Kampagne benötigt wird. Aus der Groundswell-Definition nach Li und Bernoff geht bereits hervor, dass eine Veränderung hinsichtlich neuer Technologien von statten gegangen ist und sie sich darauf auswirkt, dass Menschen sich Informationen gegenseitig über diese Technologien beschaffen und nicht mehr wie früher beim Unternehmen selbst holen. Im Folgenden möchte ich kurz erklären, wie ich das verstehe und versuche mich darauf zu besinnen, wie man sich früher informiert hat, was gar nicht so leicht ist, da ich auch zu den Digital Natives gehöre, aber zumindest noch die Zeit kenne in der es nur dynamische Webseiten gab.

Vor dem Aufkommen der sozialen Vernetzung über das Internet hatten der Rundfunk (TV und Radio) und die Printmedien (Bücher, Zeitungen, Zeitschriften usw.) eine weitaus größere Bedeutung. In Abgrenzung zum Web 2.0 gab es vorher statt dynamischen Webseiten statische, was im Rückblick als Web 1.0 bezeichnet wird. Für Unternehmen bedeutet das, dass es zwar auch zu jener Zeit bereits Mundpropaganda gab oder bestimmte Marken eine höhere Reputation aufwiesen, wodurch man sich durch ein hohes Ansehen im Bekanntenkreis ebenfalls für diese entschied, die Kommunikation aber dennoch eher einseitig vom Unternehmen ausging. Heute informiert man sich nicht mehr über das Produkt, indem man ausschließlich die Kommunikation des Unternehmens rezipiert. Im Web 2.0 findet man heutzutage normalerweise ganz viele Nutzerkommentare und Bewertungen wie bei Amazon. Diesen Aussagen aus unabhängiger Quelle wird dann doch mehr Glaubwürdigkeit bescheinigt als der reinen Unternehmenskommunikation, welche früher vom Unternehmen gut steuerbar war. Dieser Sachverhalt hat sich nun verändert und deren Steuerung ist komplexer geworden.

Wie der Groundswell-Trend beschreibt, holen sich die Menschen ihre benötigten Informationen bei anderen, was früher teilweise auch möglich war, aber nun ist es durch die sozialen Medien viel einfacher geworden. Man kann z. B. ein Forum einrichten und sich über Motorräder unterhalten, wobei sicherlich auch verschiedene Marken thematisiert werden und die betreffenden Unternehmen keinen direkten Einfluss darauf haben, was über sie kommuniziert wird. Und auch die Bildung von Gruppen ist über Social Web viel einfacher geworden, was deutlich macht, dass die neuen Technologien soziale Phänomene auslösen, indem sich durch sie andere Verhaltensweisen herausbilden, die es ohne sie nicht geben würde. (vgl. Michelis, 2012)

Was bedeutet dies nun?

Inwiefern hat sich die Interaktivität der Nutzer geändert? Michelis zeigt auf, dass Shirky in seinem Buch den Aktivitätsgrad von Gruppen unterteilt: Austausch, Zusammenarbeit und kollektives Handeln. Unter einem Austausch wird das Teilen von Content mit anderen Nutzern verstanden. Darüber formieren sich im Anschluss schrittweise Gruppen, da diese ähnliche Interessen aufweisen. Früher hat man erst gemeinsame Interessen mit anderen Personen entdeckt, indem man z. B. in einen Sportverein eingetreten ist und sich anschließend über Gemeinsamkeiten ausgetauscht hat. Heutzutage findet im Web erst der Austausch statt und man entdeckt dann vorhandene gemeinsame Interessen. Dieses Verhältnis hat sich also umgekehrt. (vgl. Michelis, 2012)

Wie ist das nun mit der Zusammenarbeit?

Wenn der reine Austausch durch die Verfolgung gemeinschaftlicher Ziele ergänzt wird, handelt es sich um eine Zusammenarbeit. Zur Zielerreichung wird das Verhalten innerhalb der Gruppe aufeinander abgestimmt, um möglichst effizient sein zu können. Die daraus erwachsenden Verhaltensregeln führen zu einer Gruppenidentität. Durch die sozialen Technologien nehmen die Transaktionskosten zur Zusammenarbeit ab, da der Aufwand hierfür nicht mehr so hoch ist. Die sozialen Medien führen dazu, dass die Zusammenarbeit an Schnelligkeit und Effizienz gewinnt. Als weiterer Vorteil kann die Standortunabhängigkeit der zusammenarbeitenden Personen gesehen werden. Dadurch ist die Zusammenarbeit nicht mehr nur Unternehmen oder gut organisierten Institutionen vorbehalten, sondern kann vom Otto-Normal-Verbraucher gesteuert werden. (vgl. Michelis, 2012)

Wie verändert sich die Gruppenaktivität bei einer kollektiven Handlung?

Kollektive Handlungen gehen über die Zusammenarbeit hinaus, indem gemeinschaftliche Aktionen geplant werden, deren Organisation das Social Web stark vereinfacht. Ein Beispiel hierfür ist ein Flashmob, allerdings sind Kollektivhandlungen im Allgemeinen eher Ausnahmezustände im Bereich der Gruppenaktivität. Wenn diese Handlungen mit Social Media verknüpft werden, ist es wichtig zu verstehen, dass die Technologie nicht ursächlich ist, sondern den Planungsprozess lediglich beschleunigt, da bestehende Hindernisse abnehmen und die Gruppenkommunikation einfacher wird. Deswegen lässt sich sagen, dass sich die Gruppe nicht durch die sozialen Medien entwickelt, sondern wegen des vorangegangenen allgemeinen Interesses an der Gemeinschaftsaktion. (vgl. Michelis, 2012)

Zusammenfassend kann ich nun sagen, dass bei den unterschiedlichen Aktivitätsgraden für Gruppen eine starke Vereinfachung durch die sozialen Medien vorherrscht, wodurch manche Vorhaben aufgrund der leichteren Koordination vielleicht erst möglich werden. Im Allgemeinen wird aber davon ausgegangen, dass diese Aktivitäten ansonsten anders organisiert worden wären. Hinsichtlich der ersten Form der Gruppenaktivität, dem Austausch, konnte ich eine eindeutige Veränderung durch Social-Media-Aktivitäten feststellen. Wichtig wäre nun herauszufinden, wie man sich dies zunutze macht und was sich für Unternehmen bezogen auf den Groundswell verändert. Denn ein wichtiger Punkt innerhalb dieses Veränderungsprozesses ist die Schnelllebigkeit der sozialen Medien und demgegenüber starre Hierarchien in Unternehmen, die mit dieser Schnelllebigkeit eventuell nicht mithalten können. Aber mehr dazu gibt`s in meinem nächsten Post!

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8 Gedanken zu “Rückbesinnung: Inwiefern verändern soziale Technologien unser Verhalten?

  1. Hallo liebe Kirsten,
    ich habe mir eben kurz deinen Blog durchgelesen und folge ihm jetzt. Deine Beiträge waren sehr interessant und gut geschrieben.
    Zum Thema – wie die sozialen Medien die Kommunikation beeinflussen und verändern – bin ich gerade auch am recherchieren. Schweiger/Schrattner (http://wp.me/p5X5CT-2E) bringt die social Media Prinzipien treffend auf den Punkt.
    Bald sollte mein Beitrag zu den Charakteristika von Facebook fertig sein. Ich habe so viele Quellen und Bücher, dass ich noch etwas Zeit zur Literaturbearbeitung brauche. Schau doch immer mal rein oder besuch mich in der Bib (ich hab tolle Bücher! 😉 und tausch dich mit mir aus! =)
    viel Erfolg und Spaß bei deinem Blog =)

    • Ich hab mir für deinen Blog auch einen Reader eingerichtet 😉
      Da ich nicht mehr in Ilmenau wohne, ist das etwas schwierig, aber ich bin gespannt auf deine zukünftigen Beiträge!

    • Das ist ein Beispiel bei dem die Risiken im Vorfeld wohl nicht ausführlich abgewogen wurden. Auf jeden Fall sehr interessant, I like! Schade, dass es bei Kommentaren nicht auch den Like-Button gibt 😉
      Ich hoffe, dass ich zeitlich noch zu Shitstorms komme. Noch habe ich es nicht aufgegeben.

  2. Hallo liebe Kirsten,
    ich habe mir heute deinen Beitrag noch einmal vor dem Hintergrund des Cluetrain Manifestes bzw. der New Clues durchgelesen, mit welchen ich mich ja beschäftigt habe. Ich kann deinem Beitrag nur zustimmen und dir das Cluetrain Manifest (http://wp.me/p5X5CT-8Q) und die New Clues (http://wp.me/p5X5CT-90), sehr empfehlen. Sie sind recht inspirativ geschrieben und auf Grund ihrer Formulierung, kommt leicht eine Diskussion zu Stande, wie ich mit meinen Mitbewohnern feststellen konnte 😀

    Beste Grüße
    Keep up the good Work =)

    • Am interessantesten finde ich dabei die 25 und die 50. Bei der 25 geht es ja darum, dass die Unternehmen von ihren Elfenbeintürmen heruntersteigen sollen und mit den Menschen, also ihren Anspruchsgruppen, reden sollen. In Interaktion zu treten und den Groundswell und dessen Macht nicht zu missachten sollte im digitalen Zeitalter eigentlich selbstverständlich sein, aber man hat oft das Gefühl, dass die Unternehmen einfach noch im digitalen Jahrtausend angekommen sind…Schade!
      Die 50 besagt ja, dass Organigramme in der digitalen Welt aus Hyperlinks statt Hierarchien besteht und das praktisches Wissen höher gewichtet wird als Autorität. Dies macht deutlich, dass man sich in der digitalen sozialen Welt nicht hinter einem Titel verstecken kann. Man kann nur mit kompetentem Wissen glänzen über entsprechende Beiträge, da die User nur den Beitrag sehen und nicht das Gesamtbild einer Person. Zudem dauert es in Unternehmen oft lange bis reagiert wird, weil man die Hierarchie nicht verletzen will und daher Beiträge lieber nochmal in sachlicher Hinsicht geprüft werden bevor sie nach außen kommuniziert werden. Dabei ist eine Reaktion wohl besser als keine! Es geht schließlich erst mal darum digital in Erscheinung zu treten und den Dialog zu suchen. Dabei kann man schließlich immer noch vermitteln, dass man den Sachverhalt prüft, aber gerne so viel wie möglich über das Problem in Erfahrung bringen möchte. So zeigt man Interesse ohne konkrete Aussagen tätigen zu müssen, aber auch damit sollte man sich nicht allzu lange Zeit lassen! Die Uhren ticken im digitalen Zeitalter nun mal schneller 🙂

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